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Saturday, September 13, 2008

Good-bye Qatar!

Ein ausgedehntes Frühstück im Doha Four Seasons Hotel und eine einstündige schwedische Massage werden zum krönenden Abschluss meines Zwischenstopps in Qatar. Den Manager des Hotels konnten wir nach hartnäckiger Nachfrage sogar überzeugen, uns einen Blick über die Bucht aus der Royal Suite in der obersten Etage zu gewähren. Es ist erstaunlich, was dieses relativ kleine Land aus der Wüste gestampft hat und in Zukunft zu schaffen plant. Fragwürdig bleibt der Umgang mit Energie, Wasser, Müll, und das Klassensystem der Einwohner. In Erinnerung bleibt mir die weite Wüste, die zutraulichen Kamele, der Basar, die Scheichs und die brennende Hitze.


Nach 10 Tagen Doha mit jeder Menge Erlebnissen im Gepäck – einem guten Mix aus Entdecken und Relaxen – geht es nun weiter nach Indien. Mindestens genauso exotisch und dennoch ganz anders als der Orient stelle ich mir die chaotisch-charmante Welt der Inder vor. Statt kargem Land erwarten mich grüne Kokospalmen, statt dunklen Gewändern tragen die Menschen bunte Stoffe, und statt erhabenen Scheichs trifft man überall auf lustig mit dem Kopf wackelnde Inder. Soweit meine Vorstellungen...

Friday, September 12, 2008

Sheik it!

Die Macht der Scheichs

Nicht nur der Reichtum, sondern auch die Macht liegt in den Händen der Scheichs. In Qatar gibt es kaum einen Bereich des Lebens, der nicht kontrolliert wird. Ob Firmenbesitz, Internettelefonate, Familienverhältnisse oder Verkehrsregelungen - überall hat der Staat und somit auch die Scheichs die Finger im Spiel. Kriminalität gibt es hier so gut wie nicht, denn die Strafen - und somit das Risiko aus dem Land verbannt zu werden - sind zu hoch.

Auch beim Autofahren merkt man schnell, wem die Straße gehört. Selbst im innerstädtischen Berufsverkehr kommt nicht selten von hinten ein Landcruiser angerast, fährt dicht auf und gibt per Lichthupe das Signal, die linke Spur freizumachen. Runter von meiner Straße - jetzt komm ich! Im Gegensatz dazu verfolgte ein Scheich eine junge Europäerin bis zu ihrem Haus und zwang sie unter Drohungen, sich bei ihm dafür zu entschuldigen, dass sie ihn wenige Minuten zuvor unspektakulär überholt hatte.

Eine angenehme Abwechslung war ein Strandausflug zu einer Landzunge im Nordosten des Landes, wo das Leben wieder perfekt schien. Sandstrand, glasklares blau und türkis schimmerndes Wasser mit Badewannentemperatur. Weit und breit keine Menschenseele, nur drei Hunde, die zu uns gehören - ein seltenes Bild, denn Haustiere gibt es hier eigentlich nicht. Europäer bleiben unter sich - die Welt des Islam und der Ölscheichs ist doch zu fremd, um darin aufgenommen zu werden. Man wird geduldet, denn man bringt Fortschritt, aber man kann sich sicher sein, dass die Straßen auch weiterhin allein den Scheichs gehören!


Thursday, September 11, 2008

Under Construction

Ein ganzes Land im Umbau

Qatar scheint eine einzige Baustelle zu sein. Überhaupt tangieren wohl die Meisten das Baugewerbe. Die rund eine Million Einwohner bestehen zu 80% aus Ausländern, unter ihnen ein großer Anteil Inder. Die Kataris selbst verfügen über unvorstellbare Reichtümer - Quellen sind Erdöl und Erdgas. Das viele Geld wird wiederum strategisch in die Infrastruktur des Landes investiert. Es entsteht unter anderem ein neuer Flughafen, der zur internationalen Drehscheibe ausgebaut werden soll; eine 400 Hektar große künstliche Insel "The Pearl", auf der bald Wolkenkratzer stehen werden; eine 45 km lange Brücke, die Qatar mit Bahrain verbinden soll; es werden ganze Stadtteile aus dem kargen Boden gestampft. Die riesigen Bauprojekte werden von Ablegern westlicher Baufirmen ausgeführt, wodurch wiederum viele Expatriates aus Europa und Übersee in der Bauleitung beschäftigt sind und vorübergehend in Qatar eine zweite Heimat finden. Menschen aus Billiglohnländern, darunter viele Inder aus dem Bundesstaat Kerala, schuften für sehr geringe Stundenlöhne auf den unzähligen Baustellen Qatars.

Inmitten all der Buddelei liegt in alten Gemäuern der Zouk - der alte Basar, wo Händler vor allem Stoffe und Gewürze anbieten. In einem der vielen Lädchen geht ein Teppichweber seinem Handwerk nach. Durch die engen Gassen schieben die alten Männer Schubkarren gefüllt mit Waren. Es gibt viel zu entdecken, jedoch fühlt man sich als Europäer, vielleicht vor allem als Frau, immer sehr beobachtet. Anders auf dem Kamelbasar unter freiem Himmel außerhalb des Stadtzentrums - hier wird man freundlich begrüßt und kann nach Herzenslust fotografieren. Die Kamelhüter stammen aus arabischen Ländern und wohnen unter einfachsten Bedingungen direkt neben den Kamelgehegen. Ein Stück authentischer Orient ist zu spüren.



Tuesday, September 9, 2008

Staubige Welt

Qatar - Stein, Staub und Sand

Immer noch ein bisschen überwältigt vom trockenen Land unweit der Arabischen Halbinsel, der Perle im Persischen Golf. Hier gibt es alles, nur kein kaltes Leitungswasser! In den Tanks auf den Dächern kommt das Wasser bei Außentemperaturen bis zu 40 Grad Celsius zum Brodeln und ergießt sich mit erbarmungsloser Wärme aus Doha's Wasserhähnen. Schnell lernt man bei der schneidenden Hitze, nicht ohne eine Flasche Trinkwasser aus dem Haus zu gehen. Während des heiligen Ramadan ist Essen und Trinken tagsüber in der Öffentlichkeit jedoch generell nicht gestattet. Auch alle Geschäfte und Restaurants haben während des heiligen Monats tagsüber geschlossen. Erst lange nach Sonnenuntergang füllen sich die Straßen und Plätze. Und dann wimmelt es auch in den klimatisierten Malls an stolzen Scheichs und verhüllten Frauen. Hier gibt es alle Annehmlichkeiten, die das moderne Leben zu bieten hat. Ein bisschen erinnert der Lebensstil an die USA: pompös, schnelllebig, verschwenderisch, rücksichtslos.


Ein Ausflug in die Wüste wird zum einmaligen Erlebnis. Im Jeep-Konvoi fahren wir zunächst bis zum Rand der Wüste, wo von den Reifen Luft abgelassen wird. In teils waghalsig anmutenden Fahrexperimenten rasen wir auf eine Sanddüne zu und den Berg hinauf, bis der Fahrer das Lenkrad rumreißt, um den Jeep in ungewöhnlich steiler Neigung zurück zum Ausgangspunkt gleiten zu lassen. Ein wenig stockt der Atem schon, auch wenn die Jeeps angeblich nicht umfallen können. Spieldünen nennen sie das! Wunderschöne Landschaften offenbaren sich - soweit das Auge reicht nur Sand und hin und wieder ein Fetzen vom Persischen Golf, der bei einem Bad allerdings ebenso wenig Abkühlung bietet.


Auf dem Rückweg kreuzen ein paar Arabische Kamele unseren Weg, die querfeldein durch die Stein- und Staubwüste traben. Aus der Nähe betrachtet erscheinen sie groß, aber liebenswürdig. Sie lassen sich die Foto-Session gern gefallen und ziehen dann weiter. Ein bisschen Glück tragen sie wohl unter ihrem Höcker!